Der Dichter-Tag 2022 - Der schlesische Schriftsteller und Heimatdichter Paul Petras

Die Oder bei Grünberg / Schlesien
Dr. Paul Petras
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Der Dichter-Tag 2022

Leben
Erinnerung an Paul Petras in Zielona Góra / dem früheren Grünberg i. Schl. - 9. Oktober 2022
Kleine Gedenkfeier am Ehrenmal des Dichters Paul Petras
  
Für Paul Petras, dem Grünberger Heimatdichter, steht seit 1993 auf dem Friedhof in Chynów / früher Kühnau (Ortsteil von Zielona Góra / früher Grünberg i. Schl.) ein besonderes Ehrenmal an prominenter Stelle, das den Poeten in deutscher und polnischer Sprache würdigt. Jetzt, am 9. Oktober 2022, einen Tag vor dem 162. Geburtstag des Dichters, trafen sich dort Familienangehörige und heutige Freunde des Schriftstellers zu einer kleinen Gedenkfeier  v.l.n.r.: Izabela Taraszczuk, Cristina Scheuren Steinkrauss, Ilona Biernat und Partner, Wolfgang Scheuren (Enkel von Paul Petras).
Ilona kam eigens aus  Zielona Góra und legte eine Rose an der Erinnerungsstätte  nieder. Izabela und Wolfgang verlasen noch einmal die Nachrufe auf Paul  Petras, die 1941 bei seiner Beerdigung auf dem Friedhof gesprochen  wurden. Die Erinnerungsstätte wurde am Vortag noch ein wenig  aufgeräumt und mit Blumen und Kerzen für die Feier hergerichtet...
Foto: Hartmut Knobloch



Die Poesie des Grünberger Paul Petras und die Literatur im Lebuser Land heute
Von Wolfgang Scheuren und Izabela Taraszczuk
 
Der Grünberger Heimatdichter Paul Petras, der 1941 im einstigen Dorf Kühnau (heute ein Ortsteil von Zielona Góra, Chynów) wunschgemäß seine letzte Ruhe fand, stand jetzt erstmals im Mittelpunkt eines besonderen deutsch-polnischen Literaturnachmittags, der im Museum des Lebuser Landes von Zielona Góra (Muzeum Ziemi Lubuskiej) stattfand und zugleich eine Verbindung zur aktuellen Literatur der Region schuf. Dazu trugen sowohl die Referentin und Poetin Izabela Taraszczuk sowie als Gäste die Schriftsteller Roland Hellmann und Krzysztof Fedorowicz bei, die aus ihren Werken vorlasen.

Auf Initiative des Enkels von Paul Petras, Wolfgang Scheuren aus München, wurden im Glasfenstersaal die Biografie und die Dichtkunst des in Grünberg geborenen Schriftstellers Petras erstmals vor Ort in Deutsch und Polnisch präsentiert. Scheuren berichtete über die Lebensstationen seines Großvaters, der in Breslau promoviert wurde und eine langjährige Laufbahn als Journalist und Zeitungsverleger erlebte. Petras blieb aber zeitlebens eng mit seiner Heimatstadt verbunden. Er schrieb viele Gedichte u.a. über den Grünberger Wein und veröffentlichte neben seinen regelmäßigen Beiträgen für den Grünberger Haus- und Heimatkalender zwei Bücher – „Auf Grünbergs Rebenhügeln“ und „Aus der Heimat“, die im damaligen Verlag von W. Levysohn erschienen sind. Diesen literarischen Schatz will sein Enkel im nächsten Jahr in einer Auswahl neu herausgeben und präsentierte den Teilnehmern der Veranstaltung bereits einen Vorabdruck dieses besonderen Buches, das in Deutsch, in schlesischer Mundart und in Polnisch gedruckt werden soll.
Als Co-Referentin des Nachmittags widmete sich die aus Zielona Góra stammende Philologin, Poetin und Dozentin Izabela Taraszczuk in Ihrem Vortrag zur Poesie von Paul Petras den bereits erfolgten polnischen Veröffentlichungen über den deutschsprachigen Dichter. Die Philologin selbst hat erst vor kurzem in der Filologia Polska 7/2021 eine erstmals umfassende wissenschaftliche Würdigung und Bibliographie über den Grünberger Heimatdichter publiziert. Für sie bildet die Poesie von Paul Petras „ein lexikalisches, kulturelles und historisches Vademekum für diejenigen, die die alte niederschlesische Weinmetropole in ihrer Pracht vor über einem Jahrhundert in geschriebener Form erleben möchten“. Es ist für sie ein wichtiger historischer Schritt, dass dazu künftig die Petras-Literatur auch in polnischer Sprache vermittelt werden soll.
 
Dieser keineswegs einfache Weg der literarischen Übertragung von Deutsch und deutscher Mundart ins Polnische stand deshalb auch im Mittelpunkt der regen Diskussion, die den beiden Vorträgen und den Lesungen der Poeten Hellmann und Fedorowicz und der Poetin Taraszczuk folgte.
 
Der zum wichtigsten polnischen Nike-Literaturpreis nominierte Winzer und Schriftsteller, Krzysztof Fedorowicz, betonte die Wichtigkeit einer Brücke, die durch die Renaissance der Paul-Petras-Poesie zwischen Vergangenheit und Gegenwart der 800-jährigen Weinstadt Zielona Góra geschlagen wird. Er, der Sekretär der Stiftung „Tłocznia“ (dt.“Weinpresse“), stellte Fragen nach der historischen Kontinuität des deutschsprachigen Erbes in der Region Lubuskie. Fedorowicz und seine Stiftungsmitglieder haben vor, eine didaktische Reihe von Seminaren zur Regionalgeschichte bzw. zum Sachunterricht in Schulen von Zielona Góra und Chynów durchzuführen.

Die im Publikum anwesende Poetin aus Zielona Góra, Halina Bohuta-Stąpel, brachte in polnischer und deutscher Sprache ihre Begeisterung von der geplanten Paul-Petras-Edition zum Ausdruck. Sie hat Gedichte des in Grünberg geborenen Schriftstellers und Kabarettisten Otto Julius Bierbaum ins Polnische übertragen und popularisiert in Polen Werke anderer deutschsprachiger Autoren wie Carl von Holtei. 2016 wurde der Film 33 minuty w Zielonej Górze czyli w połowie drogi (33 Minuten in Grünberg oder der halbe Weg) gedreht, zu dem Bohuta-Stąpel Drehbuch in Anlehnung an das bekannte Stück des Breslauer Theaterschriftstellers verfasst hat. Holtei, ein großes literarisches Vorbild des niederschlesischen Schriftstellers Petras, scheint die historische Kontinuität zwischen Grünberg mit Zielona Góra zu untermauern.
 
Prof. Małgorzata Mikołajczak vom Institut für Polonistik der Universität Zielona Góra, begrüßte enthusiastisch die geplante zweisprachige Ausgabe der Paul-Petras-Werke.
 
Der in Waldenburg/Wałbrzych geborene und zurzeit in Zatonie lebende Dichter Roland Hellmann betrachtete kritisch die in deutschen und polnischen Schulen sinkende Lesewelle und plädierte für die Slow movement culture, die sich im reduzierten Handygebrauch der Jugendlichen verwirklicht werden kann.
 
Die Germanistin und Poetin Izabela Taraszczuk betonte die bewusste Wahrnehmung der deutschsprachigen Vergangenheit in der Grenzregion Brandenburg-Lebuser Land, indem sie auf die 2016 erschienene Publikation der Prof. Marta J. Bąkiewicz An der mittleren Oder (Schöningh Verlag) hingewiesen hat.
 
Zum Abschluss der Veranstaltung überreichte Halina Bohuta-Stapel dem Enkel des Grünberger Dichters Paul Petras, Wolfgang Scheuren, eine Schale mit Original Weintrauben aus Zielona Góra. Dazu ein Trauben-Erzeugnis sowie einen Vorabdruck des geplanten Buches „Zielona Góra w poezji i prozie – Almanach literacko-fotograficzny – pod redakcją Roberta Rudiaka i Haliny Bohuty-Stapel“ („Zielona Góra in Poesie und Prosa – ein literarisch-fotografischer Almanach von Robert Rudiak und Halina Bohuta-Stąpel“), herausgegeben vom Związek Literatów Polskich – Oddział w Zielonej Górze (Verein der Polnischen Literaten – Abteilung in Zielona Góra). In dieser Publikation ist auch ein Gedicht von Paul Petras enthalten, übersetzt von Bohuta-Stapel: „Chce żyć tylko w Zielonej Górze“ („Nur in Grünberg will ich leben“).
 
Unser herzlicher Dank für die Unterstützung bei allen Vorbereitungen gilt Frau Izabela Korniluk, Tomasz Kowalski und ihrem Museumsteam sowie Herrn Krzysztof Fedorowicz.
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