Lebenslauf - Der schlesische Schriftsteller und Heimatdichter Paul Petras

Die Oder bei Grünberg / Schlesien
Dr. Paul Petras
Direkt zum Seiteninhalt

Lebenslauf

Leben

Der Heimatpoet aus Grünberg – Dr. Paul Petras.

 


Seit 1993 steht auf dem Kühnauer Friedhof bei Grünberg in Schlesien, dem heutigen Zielona Góra, ein besonderer Gedenkstein, auf dem in Deutsch und auf Polnisch zu lesen ist:
 
„Zum Gedenken an Dr. Paul Petras – Heimatdichter - * 1860 Grünberg / Schl. - + 1941 Kühnau“. Darunter auf Polnisch: „Pamieci DRA Pawla Petrasa - Piewcy Ziemi Zielonogorskiej - * 1860 Zielona Góra - + 1941 Chynów“.

 
Diese eindrucksvolle zweisprachige Würdigung gilt – so die polnischer Übersetzung: - dem „Sänger der Region Zielona Góra“, also dem Dichter, der im ehemaligen Grünberg, der einst nördlichsten Weinstadt Deutschlands, geboren wurde und ihren „Höhenwein“ in zahlreichen Gedichten und Erzählungen immer wieder hoch gelobt hat. Zielona Góra, die Stadt an der Oder, hat sich schon länger wieder auf ihre Weintradition besonnen und lädt mit ihren jungen Winzern alljährlich zum Weinfest ein.
 
Ganz im Sinne von Paul Petras, der im Laufe seines bunten schriftstellerisches Lebens stets an seine Heimatstadt dachte, sie oft besuchte und sie mit ihren umliegenden Dörfern in zahlreichen Gedichten und Erzählungen – zum beachtlichen Teil in schlesischer Mundart – besang.
 
Paul Petras, geboren am 10. Oktober 1860, dessen Eltern früh starben, wuchs als Waise bei Pflegeeltern in Grünberg auf und studierte nach dem Abitur in Freiburg / Brsg. und in Breslau neuere Sprachen und Philosophie. Dank privater Gönner und mehrerer Stipendien aufgrund seiner besonderen Leistungen konnte er das Studium an der Breslauer Universität erfolgreich abschließen: Auf Grundlage seiner Dissertation über die mittelenglische Fassung der Sage von den Sieben Weisen Meistern wurde er 1885 zum Doktor der Philosophie promoviert.
 
Eigentlich wollte Petras danach das Lehramt anstreben, doch die gestrenge preußische Pädagogik war nicht seine Welt. So wurde er 1888 „aus Neigung zu schriftstellerischer Arbeit“ Journalist. Der junge Doktor hatte schon zur Schülerzeit immer wieder zur Feder gegriffen, verschiedene Liebes-Verse und kleine Bühnenstücke (eine satirische „Bieroper“ und den Schwank „Der Kaiser von Birma oder der gerettete Frack“ in schlesischer Mundart) verfasst. 1880 trug er als Primaner sein preisgekröntes, vaterländisches Gedicht zur Vollendung des Kölner Doms in der Schulaula der Friedrich-Wilhelm-Oberschule vor und erhielt dafür ein 10-Mark-Goldstück als Belohnung.
 
Paul Petras ging nach der Lehramts-Probezeit in Grünberg zum Verlag der „Breslauer Zeitung“ und absolvierte dort eine Lehrstelle. Es folgte eine Anstellung als dritter Chefredakteur beim „Geselligen“ in Graudenz, wo er sogenannte Lokalplaudereien schrieb, Korrektur las und Versammlungsberichte publizierte. Nach diesen ersten journalistischen Erfahrungen übernahm er 1889 als Chefredakteur den Lokalteil des „Breslauer General-Anzeigers“.
 
Die weiteren Lebensstationen als Journalist und später als Verleger waren 1891 Meerane in Sachsen, dann Bromberg (damals Provinz Posen) als Herausgeber des liberalen „Ostdeutschen Lokal-Anzeiger / Bromberger Unparteiischen“, Mitarbeiter des Wolff’schen-Telegraphen-Büros und von 1900 bis 1912 Chefredakteur und Verleger der „Ostdeutschen Tageszeitung“ in Konitz (Westpreußen). Danach arbeitete er für das „Hamburger Fremdenblatt“ und leitete die mehrsprachige Bilderzeitung „Welt im Bild“ des Fremdenblattes.
 
1929 ging Petras aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand, veröffentlichte aber weiter im „Grünberger Wochenblatt“ und im „Grünberger Heimatkalender“ Erzählungen und Gedichte in schlesischer Mundart, der er sich auch als Sprachforscher verschrieb. Mit Leidenschaft übersetzte er Beiträge aus dem Plattdeutschen von Fritz Reuter oder Claus Groth ins Grünberger Schlesisch.
 
Zu seiner schriftstellerischen Verbindung mit der Heimat schrieb Petras einmal: „Als Dichter habe ich ebenfalls manche Beiträge für die Heimatpresse geliefert. Die Grünberger ehrten mich dafür, dass ich für ihre ‚Weinfeste‘ Lieder lieferte, indem sie mich zu ihrem ‚Heimatdichter‘ machten.“
 
Am 12. September 1935 bestätigte ihm die Universität Breslau mit dem „Goldenen Doktorjubiläum“ das Doktordiplom und würdigte in dem Glückwunschbrief seine Tätigkeit auf dem Gebiet der Volkskunde.
 
Eine kleine Bibliographie seiner Werke ist auf https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Petras erschienen.
 
Am 25. Januar 1941 verstarb der Heimatpoet, der bei seiner Tochter in Köln-Buchforst seinen Lebensabend verbracht hatte. Er wurde wunschgemäß auf dem evangelischen Friedhof in Kühnau / heute Chynów neben dem Grab seines Vaters Eduard bestattet. Das Grab bestand bis in die 1960er Jahre. Es wurde jedoch in dieser Zeit von den damaligen polnischen Behörden im Zuge der Einebnung ehemaliger deutscher Friedhöfe aufgelöst. 1993 erstand an prominenter Stelle auf Initiative deutscher und polnischer Schlesier das repräsentative Ehrengrab von Dr. Paul Petras. Ein sichtbarer Beweis für die gemeinsame unverbrüchliche Verehrung des Heimatdichters bzw. Piewcy Ziemi Zielonogorskiej.
 
 

Wolfgang Scheuren
(Enkel von Dr. Paul Petras)
Wikipedia über Paul Petras


Mehr über Dr. Paul Petras und sein Lebenswerk ist in Wikipedia nachzulesen:
Paul Petras hat fleißig Tagebuch geschrieben. Auf Facebook bringt sein Enkel Wolfgang Scheuren
Auszüge "Aus seinem Leben".

Zurück zum Seiteninhalt